Getty Images – Schwangere Frau mit Papieren (Symbolbild)

Zu Unrecht weniger Elterngeld – Diese Fehler sollten junge Mütter und Väter vermeiden

Die Regeln beim Elterngeld sind so komplex, dass viele Mütter und Väter weniger Geld bekommen, als ihnen zusteht. Das merken Beratungsstellen immer wieder – und verraten die häufigsten Fehler junger Eltern.

 
 

Ein Baby zu erwarten heißt leider auch: jede Menge Formalitäten erledigen. Den größten Papierkram macht dabei der Antrag auf Elterngeld – und der ist ganz schön komplex geworden, weiß Pro-Familia-Beraterin Hannelore Lambertz-Eichhoff.

 
 
Diese Elterngeld-Modelle gibt es:
 
 
Das Basiselterngeld können alle frischgebackenen Eltern beantragen. Es beträgt in der Regel zwischen 65 und 67 Prozent des durchschnittlichen Nettoeinkommens der letzten zwölf Monate vor der Geburt – mindestens 300, höchstens 1800 Euro im Monat. Beantragt nur ein Elternteil das Elterngeld, wird es zwölf Monate lang ausgezahlt. Nimmt auch der Partner oder die Partnerin mindestens zwei Monate Auszeit für das Kind, verlängert sich der Bezug um zwei Monate. Alleinerziehenden stehen regulär 14 Monate zu. Das Basiselterngeld kann mit den anderen beiden Modellen kombiniert werden.
 
 
Das Elterngeld Plus eignet sich besonders für Angestellte und Selbständige, die nach der Geburt wieder stundenweise oder in Teilzeit arbeiten wollen. Sie können dann bis zu 50 Prozent ihres vorherigen Gehalts verdienen, ohne dass es auf das Elterngeld angerechnet wird. Dafür wird jeden Monat nur die Hälfte des Elterngelds ausgezahlt, allerdings doppelt so lange – also bis zu 24 statt bis zu zwölf Monate. Die Leistung wurde erst 2015 eingeführt.
 
 
Den Partnerschaftsbonus sollten Eltern wählen, die sich die Betreuung des Kindes teilen und mindestens vier Monate lang parallel zwischen 25 und 30 Stunden in der Woche arbeiten. Zur Belohnung schenkt ihnen der Staat vier zusätzliche Elterngeld-Plus-Monate. Die Bezugszeit lässt sich so auf bis auf 32 Monate verlängern. Der Bonus muss allerdings komplett zurückgezahlt werden, wenn die Bedingungen nicht erfüllt werden. Das ist bereits der Fall, wenn ein Elternteil nur eine Woche weniger oder mehr als 25 bis 30 Stunden arbeitet.
 

Auch andere Beratungsstellen berichten von Problemen beim Ausfüllen. „Nach unserer Erfahrung kursiert viel Falschwissen im Netz“, sagt Tim Trinkies, Gründer und Geschäftsführer der kommerziellen Beratungsplattform Elternzeit.de. „Ein Großteil der Eltern schöpft ihre Möglichkeiten unserer Meinung nach nicht hundertprozentig aus.“

Die Plattform Elterngeld.de, die ebenfalls kostenpflichtige Beratung anbietet, hat im vergangenen Jahr 1200 Elterngeldanträge ausgewertet, die Antragsteller ohne ihre Hilfe ausgefüllt hatten. Dabei sind ihnen einige Fehler immer wieder aufgefallen.

Die wichtigsten Punkte, warum werdende Eltern weniger Geld bekommen, als ihnen zusteht:

1. Fehler: Väter beantragen Urlaub statt Elternzeit

Viele Väter nehmen nach der Geburt ihres Kindes Urlaub, anstatt beim Arbeitgeber Elternzeit zu beantragen. „Damit verpassen diese Väter die Chance auf die staatliche Leistung“, erklärt Patrick Konrad, Pressesprecher von Elterngeld.de. Denn auch Väter haben einen Rechtsanspruch auf Elternzeit und Elterngeld.

Manch Vater entscheidet sich laut Lambertz-Eichhoff aus Angst um seinen Job allerdings bewusst für die Urlaubsvariante. „In kleineren, konventionellen Betrieben kommt das noch vor“, sagt die Sozialarbeiterin.

2. Fehler: Eltern arbeiten trotz Basiselterngeld

Während der Elternzeit dürfen Sie bis zu 30 Stunden pro Woche arbeiten. Das Einkommen wird Ihnen allerdings auf das Elterngeld angerechnet. Wer in der Elternzeit weiterarbeiten möchte, sollte deshalb Elterngeld Plus beantragen, sagen die Beratungsstellen unisono. Dann wird das Einkommen erst angerechnet, wenn es über 50 Prozent des ursprünglichen Verdienstes liegt. Dafür bekommen Sie auch nur die Hälfte des Elterngeldes, allerdings doppelt so lange. Sie verlieren also kein Geld.

3. Fehler: Eltern lassen sich Resturlaub und Boni auszahlenkein Fehler mehr

Bis vor einigen Monaten war dies tatsächlich noch ein Fehler: Ließen Sie sich während des Elterngeldbezugs Ihren Urlaub auszahlen, galt das ebenfalls als Einkommen und wurde mit dem Elterngeld verrechnet. Deshalb empfehlen selbst Beratungsstellen fälschlicher Weise noch, sich Einmalzahlungen wie Urlaubsgeld, Provisionen oder Prämien möglichst nicht während des Elterngeldbezugs auszahlen zu lassen. Auch in einer früheren Version dieses Textes wurde das noch als Fehler benannt.

Richtig ist aber, dass Ihnen Bezüge, die nicht fortlaufend gezahlt werden, nicht angerechnet werden. Das ist bereits bei der Berechnung der Höhe des Elterngelds der Fall und gilt folglich auch, wenn Sie eine dieser Einmalzahlungen während der Elternzeit ausbezahlt bekommen. Das hat das Bundessozialgericht entschieden.

4. Fehler: Eltern nutzen weiter einen Dienstwagen

Auch der Dienstwagen gilt als Arbeitsvergütung. Das wissen laut Lambertz-Eichhoff die wenigsten. Folglich wird auch dieser „geldwerte Vorteil“ mit dem Elterngeld verrechnet. Das Elterngeld fällt dementsprechend geringer aus. Sie müssen durchrechnen, ob es wirtschaftlich sinnvoller ist, den Dienstwagen in der Zeit an den Arbeitgeber zurückzugeben oder Elterngeld Plus zu beantragen.

5. Fehler: Paare erfüllen die Bedingungen für den Partnerschaftsbonus nicht

„Der Partnerschaftsbonus hört sich gut an, ist aber schlicht nicht praktikabel“, sagt Pro-Familia-Beraterin Lambertz-Eichhoff. Denn die Leistung bekommen Eltern nur, wenn beide Partner vier Monate am Stück 25 bis 30 Stunden pro Woche arbeiten.

Die wichtigsten Fragen zum Elterngeld

„Erfüllt nur einer der beiden Partner diese Voraussetzungen in einem Monat nicht, muss das Elterngeld für beide Elternteile über die vier Monate komplett zurückgezahlt werden“, warnt Pressesprecher Konrad.

6. Fehler: Zu spät die Steuerklasse gewechselt

Diese Option haben nur verheiratete Paare: Sie können die Steuerklasse wechseln, damit sich für einen der beiden das Netto-Einkommen erhöht – und damit das Elterngeld. Der Elternteil, der länger zu Hause bleibt, sollte Steuerklasse III wählen, der andere Elternteil trägt dann in Klasse V die größere Steuerlast.

Das Problem: Der Antrag auf den Wechsel muss spätestens sieben Monate vor Beginn des Mutterschutzes gestellt werden. Da der Mutterschutz schon sechs Wochen vor dem errechneten Geburtstermin beginnt, lasse sich der Fehler nur schwer vermeiden, sagt Lambertz-Eichhoff. „Sie müssen eigentlich schon handeln, bevor Sie schwanger sind.“

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Textes hieß es, Eltern müssten 20 bis 30 Stunden arbeiten, um den Partnerschaftsbonus zu bekommen. Richtig sind 25 bis 30 Stunden. Wir haben die Zahl korrigiert. Zudem haben wir unter Punkt 3 veraltete Angaben zur Anrechnung von Urlaubsgeld und Bonuszahlungen korrigiert.

Quelle: www.spiegel.de

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